Learning Center

Das neuerbaute Bildungs- und Betreuungscenter von Island Kids Philippines bietet seit dem 1. Juni 2009 qualitativ gute Grundschulbildung für heute (2011) bereits 148 der ärmsten Kinder und Jugendlichen der Philippinischen Hafenstadt Cagayan de Oro. Es bietet Platz für kleine Livelyhood-Programme und ein Alphabetisierungsprogramm für Mütter und Väter. Es beherbergt die von IKP vollzeitbetreuten Knaben, bietet Schutz und Geborgenheit für die von der Gesellschaft im Stich gelassenen Kinder und Jugendlichen und ist eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit unterschiedlichsten Problemen aus dem Armenviertel bei der städtischen Mülldeponie. Seine Schüler und Schülerinnen führten zuvor ein perspektivenloses Dasein als Strassenkinder oder lebten und arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen auf der Mülldeponie. Mitten im Armenviertel entstanden, ist das Center für die Slumbewohner ein Licht im Dunkeln und ein Zeichen der Hoffnung. Der nachfolgende Bericht soll die eindrucksvolle Geschichte seiner Entstehung erzählen. Er soll aufzeigen, wie es eine kleine Hilfsorganisation mit wenig finanziellen Mitteln aber viel Glauben, Mut und Initiative schaffen konnte, ein solches Projekt in kurzer Zeit erfolgreich zu realisieren. Die Geschichte unseres Centers ist ein grosses Abenteuer; sie erzählt von leeren Kassen, Neuplanungen und kleinen wie grossen Wundern, welche letztendlich eine Realisierung des Projektes erst möglich gemacht haben. Ein besonderer Dank gilt dabei allen Menschen, die durch ihr persönliches Engagement oder ihre finanzielle Mithilfe dieses Projekt ermöglicht haben. Ihr Einsatz war nicht umsonst, denn er gibt zahlreichen Kindern und Familien Hoffnung und Zukunftsperspektiven.

Datum: 09. November 2009

Verfasser: Thomas Kellenberger

Projekt: Bildungs- und Betreuungscenter

Zweck: Betreuung von und Grundschulbildung für Strassen- und Wertstoffsammlerkinder

Bauphase: November 2008 – Mai 2009

Projektregion: Philippinen, Cagayan de Oro (Nordmindanao)

Projektkosten: CHF 35‘702.- (Aufbaukosten)

Raumfläche: 360 Quadratmeter verteilt auf zwei Stockwerke

Alternative Learning System (ALS)

Alternative Learning System oder kurz ALS ist ein staatliches Programm für junge Erwachsene und Erwachsene. Während 10 Monaten besuchen die TeilnehmerInnen während einem ganzen Tag pro Woche den ALS-Unterricht. ALS bietet Alphabetisierungskurse, Grundschulbildung, High-School-Bildung sowie praktische Ausbildungskurse an. Studenten, die ihre Grundschulbildung (1 – 6 Klasse) oder ihre High-School (7 – 10 Klasse) nicht abschliessen konnten, haben dank ALS eine praktische Möglichkeit, dies nachzuholen. Beim Bestehen der jeweiligen Kursabschlussprüfungen können sie, je nach Vorbildung, direkt den Grundschul- oder High-School-Abschluss erlangen. In den praktischen Ausbildungslehrgängen können die TeilnehmerInnen praktische Kenntnisse in der medizinischen Betreuung, im Nähen, im Kochen, in handwerklichen Bereichen usw. erlangen. Bei erfolgreichem Abschluss erhalten sie ein offizielles, staatlich anerkanntes Zertifikat, welches sie zur beruflichen Ausübung der von ihnen erlernten Tätigkeiten bemächtigt. ALS bietet gute Lösungen für benachteiligte, erwachsene Menschen ohne Grundschulabschluss und/oder ohne Berufsausbildung. Da die Kurse jeweils einmal wöchentlich – meistens Samstags oder Sonntags – stattfinden, können die TeilnehmerInnen an den restlichen Wochentagen arbeiten, um weiterhin ihren Lebensunterhalt zu verdienen. ALS ist eine grosse Chance für die TeilnehmerInnen, sich weiterzubilden und so bessere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu erlangen oder Alternativen zu ihren aktuellen Tätigkeiten zu schaffen. Im Learningcetner von IKP wurden bereits unterschiedliche ALS-Kurse durchgeführt. Mehrere TeilnehmerInnen haben die Abschlussprüfungen mit Erfolg bestanden.

School

Im IKP Community Learning Center werden Kinder und Jugendliche in den Stufen Nursery, Kinder 1 und Kinder 2, sowie in den Grundschulklassen Grade 1 bis Grade 6 unterrichtet. Wir sind vom Philippinischen Schuldepartement (DEP-ED) offiziell anerkannt und operieren als Satellit der nächstgelegenen öffentlichen Schule, der „Sacred Heart Village Elementary School“. Während wir unsere eigene Infrastruktur sowie hilfswerkseigenen Lehrkräfte zum Unterrichten der Kinder und Jugendlichen haben, stellt uns die öffentliche Schule ihren Stoffplan zur Verfügung, führt die Qualitätsprüfung durch, nimmt bei unseren SchülerInnen die Quartalsprüfungen ab und stellt ihnen danach die Schulzeugnisse aus. Spezielle Schulanlässe werden ebenfalls in enger Zusammenarbeit durchgeführt. Das DEP-ED in Cagayan de Oro erhielt für die aussergewöhnliche Zusammenarbeit mit Island Kids Philippines (NGO) eine spezielle Anerkennung.

Da unsere SchülerInnen erschwerte Lebensumstände haben, sind auch ihre Bedürfnisse betreffend Schulunterricht höher als bei durchschnittlichen Kindern. Zahlreiche SchülerInnen konnten erst im fortgeschrittenen Alter die Schule besuchen. Strassenkinder und Kinder, die sich ein Leben als Wertstoffsammler auf der Mülldeponie gewohnt waren, drücken auf einmal die Schulbank. Diese Voraussetzungen sind sowohl für die SchülerInnen wie auch für die Lehrkräfte eine grosse Herausforderung. Die Kinder haben Mühe, sich den Tagesstrukturen anzupassen, stillzusitzen und dem Unterricht zu folgen. Sie sind ihrem schulischen Niveau von Alter und Reife her weit voraus, können jedoch bei ihrer Aufnahme oft weder lesen noch schreiben. Zuhause kann ihnen niemand helfen, da die Eltern meist selber kaum Schulbildung haben. Kommt dazu, dass die Kinder bereits in jungen Jahren mit massiven Problemen in ihren Familien, im Armenviertel oder auf der Strasse konfrontiert werden. Diese Umstände führen leicht zu Entmutigung, zu Desinteresse am Unterricht und zu destruktivem Verhalten. Für unsere Lehrkräfte bedeutet dies in erster Linie, die SchülerInnen für den Unterricht zu motivieren, ihnen zuzuhören und ihnen bei ihren Problemen beizustehen. Das Lehrtempo muss den individuellen Fähigkeiten der einzelnen Kinder und Jugendlichen angepasst werden. Nimmt das Interesse bei einem Schüler ab oder will dieser die Schule gar abbrechen, setzen wir alles daran, neue Strategien zu entwickeln, um den Schüler neu zu motivieren. Diese Aufgabe verlangt von unseren Lehrkräften viel Geduld, Passion für ihre Arbeit und Nächstenliebe. Unsere Lehrkräfte haben deshalb grosse Freiheiten beim Wählen ihrer Unterrichtsart. Während das Verhältnis an unserer öffentlichen Partnerschule eine Lehrkraft zu 60 SchülerInnen ist, ist es bei uns eine Lehrkraft zu 14 SchülerInnen, was eine individuellere Betreuung möglich macht. Nebst dem Stoffplan der öffentlichen Schule, werden die Kinder bei uns zusätzlich nach dem Stoffplan eines Christlichen Privatschulmodels unterrichtet. Diese Kombination hat sich in der Vergangenheit bereits als erfolgreich erwiesen. Nebst Schulbildung vermitteln unsere Lehrkräfte den Kindern vor allem auch gute Werte und Lebensprinzipien. Sie selber ziehen ihre Kraft aus dem Christlichen Glauben und sind davon überzeugt, dass dies ihre Lebensaufgabe ist.

SchülerInnen, die von ihrer schulischen Einstufung her weit hinter ihrem Alter zurückliegen, können jeweils gegen Jahresende einen staatlich anerkannten Neueinstufungstest absolvieren. Je nach Testresultat können die SchülerInnen im nächsten Schuljahr mehrere Klassen überspringen.

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