Medical Ministry

Nachdem Island Kids Philippines 2008 mit der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen - mit den Schwerpunkten Schulbildung und Pflegefamilie – begonnen hatte, wurde uns bald bewusst, dass auch im Bereich der Gesundheitsversorgung der sozial schwachen Familien erhebliche Probleme bestehen. Zahlreiche Menschen, vor allem auch Kinder, werden aufgrund der unhygienischen Lebensbedingungen im Armenviertel, der Arbeit auf der Mülldeponie, fehlenden Impfungen und in Folge von Mangel- und Fehlernährung krank. Die unhygienischen Lebensbedingungen im Armenviertel bieten einen optimalen Herd für Bakterien und Viren aller Art. Die durch armutsbedingte Mangelerscheinungen geschwächten Immunsysteme der Bewohner und die engen Platzverhältnisse im Slum begünstigen den Ausbruch zahlreicher Krankheiten, darunter auch solche, die in westlichen Breitengraden längst nicht mehr oder kaum noch vorkommen, zusätzlich. Während Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen die Spitzenreiter sind, kommt es auch immer wieder zu Typhuserkrankungen, Masern- und Pockenepidemien, Meningitis und Tuberkulosemeningitis. Zahlreiche Menschen, darunter auch Kinder, leiden an Tuberkulose, Asthma und anderen chronischen Lungenerkrankungen. Neben zahlreichen Hautpilzerkankungen gibt es vereinzelt auch Fälle von Lepra. Hinzu kommen durch das Klima bedingte Tropenkrankheiten wie etwa Denguefieber, welche jedes Jahr zahlreiche Menschenleben fordern. Gerade bei schlimmen Erkrankungen sowie bei medizinischen Notfällen fehlen den Angehörigen stets die finanziellen Mittel und oft auch das Wissen, um ihre kranken Familienmitglieder erfolgreich behandeln lassen zu können. In den wenigen staatlichen Spitälern sind Untersuchungen durch den Arzt für sozial stark benachteiligte Menschen zwar vergünstigt oder gar gratis. Kosten für Spitalaufenthalte sowie die in der Spitalapotheke erhältlichen Medikamente können nach Abklärungen durch den Spitalsozialarbeiter ebenfalls stark reduziert werden. Laboruntersuchungen, Röntgenbilder, Ultraschall, Computertomographische Untersuchungen (CT-Scan, MRI usw.) sowie sämtliche im Spital nicht erhältlichen Medikamente kosten jedoch viel Geld, welches die Angehörigen meistens nicht beschaffen können. Einige Untersuchungen sowie Behandlungsmethoden sind in den staatlichen Spitälern gar nicht erst vorhanden. Kommt noch dazu, dass die staatlichen Spitäler von Cagayan de Oro chronisch überlastet sind. Mehrere Patienten teilen oft das gleiche Spitalbett oder werden gar auf Liegestühlen in den Spitalkorridoren abgestellt. Die Intensivstationen und die Operationsräume sind ebenfalls chronisch überlastet, weshalb es auch dort stets zu langen Wartelisten für die Patienten kommt. Diese Zustände führen immer wieder dazu, dass dringend benötigte Untersuchungen, Behandlungen oder chirurgische Eingriffe nicht oder zu spät vorgenommen werden und überlebenswichtige Medikamente nicht oder nur sporadisch verabreicht werden können. Oft könnten die Patienten in den normalausgelasteten, zahlreich vorhandenen und gut ausgerüsteten Privatspitälern erfolgreich und rechtzeitig behandelt werden. Da den Angehörigen aber dafür das Geld fehlt, steht diese Option gar nicht erst zur Verfügung. Diese Zustände führen dazu, dass Patienten - die häufig gar gute Heilungschancen hätten – in Folge von Geldmangel, fehlenden Einrichtungen, Fehldiagnosen, unerschwinglichen Medikamenten oder aufgrund der langen Wartezeiten sterben müssen. Aber auch Unwissenheit der Eltern durch mangelhafte oder gänzlich fehlende Schulbildung, Angst vor Ärzten oder vor Spritzen, Aberglaube, Vernachlässigung der Kinder, fehlendes Selbstvertrauen und zu spätes Handeln der Angehörigen führen oft zum Tode der kranken Familienmitglieder. Auch Kinder und Jugendliche müssen so oft sehr jung an durchaus heilbaren Krankheiten sterben. Todkranke PatientInnen oder PatientInnen, die sich einer schweren Operation unterziehen mussten, werden nach Hause, in ihre primitiven Wohnverhältnisse in den Armenvierteln, entlassen. Ihre mangelhafte Nachbetreuung führt oft zu Komplikationen, die eine erneute Erkrankung und Hospitalisierung nach sich ziehen oder gar den Tod zur Folge haben. Sterbende müssen in ihrem letzten Lebensabschnitt oft extreme Schmerzen und vermeidbare, zusätzliche Unannehmlichkeiten ertragen. Die oft schulisch schlecht gebildeten Angehörigen (einige können weder lesen noch schreiben) kommen mit den Abläufen in den Spitälern sowie bei den Behörden nur sehr schlecht zurecht und sind dringend auf Beratung und direkte Unterstützung, etwa beim Ausfüllen von Formularen, dem Besorgen von amtlichen Papieren, oder dem Einreichen von Hilfeanträgen, angewiesen. Island Kids Philippines hilft in solchen Fällen direkt, effizient, nach bestem Wissen und Gewissen, mit Nächstenliebe und Nachhaltigkeit

Neben der Gesundheitsversorgung der IKP-Kinder und Jugendlichen setzt sich IKP deshalb auch für gesundheitliche Prävention in der Community sowie, speziell bei besonders harten Fällen, für kranke Menschen ein. Wir konnten unsere medizinische Hilfe in den vergangenen Jahren ausbauen und stark professionalisieren. Um optimale Hilfe anbieten zu können, arbeiten wir heute mit Vertrauensärzten, Kontaktpersonen in den staatlichen Spitälern und in anderen Einrichtungen sowie mit dem Philippinischen Lotteriefonds zusammen. Dieses Netzwerk macht es uns möglich, betroffene Menschen möglichst optimal zu unterstützen und nicht selten ihr Leben zu erhalten. Bei der Prävention werden Mütter und Väter beraten, Impfprogramme durchgeführt, Hausbesuche bei kranken Menschen im Armenviertel abgestattet sowie Medical Missions in unserem Center organisiert. Die IKP-Kids werden in unserem Lerncenter über wichtige Aspekte bezüglich Gesundheit aufgeklärt. 

Das Medical Ministry von IKP ist heute auf den vier Säulen „Nothilfe und Betreuung“, “ Prävention und Information“, “ Transformation“ und „Seelsorge“ aufgebaut:

1. Nothilfe und Betreuung

Nach dem Prinzip, dass das menschliche Leben den höchsten Wert hat und es wenn möglich erhalten werden soll, wird in kritischen Fällen direkt und unkompliziert geholfen. Bei der Nothilfe sorgt IKP dafür, dass der Patient schnellstmöglich die dringend benötigten Untersuchungen, Behandlungen und Medikamente erhält. Kann die notwendige Behandlung im Spital, in welchem sich der Patient befindet, nicht durchgeführt werden, kommt es auch vor, dass IKP den Angehörigen beim Verlegen des Patienten in ein geeignetes Spital behilflich ist. Während IKP dabei in der ersten Phase die fehlenden finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, helfen unsere MitarbeiterInnen den Angehörigen in einer zweiten Phase dabei, Unterstützungsanträge an staatliche Einrichtungen oder bei anderen helfenden Organisationen, etwa dem Philippinischen Lotteriefonds, einzureichen sowie für die Patienten, falls möglich, nachträglich eine Krankenversicherung bei der Philippinischen Krankenkasse PhilHealth einzurichten. Die Angehörigen werden dabei beraten, zu den entsprechenden Stellen begleitet, beim Ausfüllen der Antragsformulare unterstützt usw. Es geht hier um direkte Nothilfe zur Erhaltung des Lebens des Patienten. Bei der späteren Nachbetreuung geht es darum, die vollständige Genesung des Patienten nach dessen Spitalentlassung sicherzustellen. Unsere MitarbeiterInnen machen Hausbesuche, helfen den Angehörigen dabei, die Nachbehandlungsmedikamente zu besorgen und richtig anzuwenden usw. In speziellen Fällen nimmt IKP auch Patienten zur Nachbetreuung oder zur Palliativpflege in seinem „Shelter-Home“ auf. Dies ist dann der Fall, wenn die notwendige Nachbetreuung oder eine angemessene Palliativpflege (Sterbebegleitung) im Haus der Betroffenen nicht möglich sind.

2. Prävention und Information

Bei der Prävention geht es darum, die potentiell gefährdeten Menschen der Community vor einer Erkrankung vorbeugend zu schützen. Dies wird etwa durch von IKP organisierte Impfkampagnen, Medical Missions, Gesundheitsseminaren für Eltern, Ernährungsberatung der Müttern sowie gesundheitsspezifische Lektionen für die Kinder und Jugendlichen im „Learningcenter“ von IKP erreicht. Bei der Information geht es darum, die Bewohner der Community über die staatlichen Angebote aufzuklären und sie zu ermutigen, davon Gebrauch zu machen. Mütter werden über die Wichtigkeit einer gesunden Ernährung, hygienischer Wohnverhältnisse sowie des Impfens ihrer Kinder informiert und sollen ihre teils vorhandene Angst vor letzterem überwinden. Auch in diesem Bereich arbeitet IKP mit Medizinern und anderen wertvollen Kontakten zusammen, die IKP bei der Durchführung von Impfkampagnen, Medical Mission und Seminaren behilflich sind.

3. Transformation

Bei der Transformation geht es um die Person des Patienten selbst. Es geht darum zu erörtern, warum der Patient krank wurde und wie er einer erneuten Erkrankung aus eigener Kraft, etwa durch einen gesünderen Lebensstil, eine neue Einstellung zum Leben usw. vorbeugen kann. Dies ist ein langwieriger Prozess, der von den MitarbeiterInnen viel Geduld und Verständnis verlangt. Es geht etwa darum, Suchtprobleme, über Jahre hinweg praktizierte schlechte Angewohnheiten, eine mangelhafte Kinderbetreuung oder gar die totale Vernachlässigung der Kinder usw. positiv zu beeinflussen und zu verändern. Die Transformation der Betroffenen hin zu einer – soweit es die Lebensverhältnisse zulassen – gesünderen Lebensweise, hygienischeren Umgebung und einem harmonischen Zusammenleben mit den Mitmenschen ist das längerfristige Ziel.

4. Seelsorge

Bei der Seelsorge geht es darum, den Betroffenen und ihren Angehörigen durch den Glauben neuen Mut und Hoffnung zu geben. Für die Kranken und deren Familien beten und ihnen die Frohe Botschaft verkünden, gehört ebenso dazu, wie den Betroffenen zuhören und ihnen in schwierigen Momenten beistehen. Regelmässige Spitalbesuche, Gebetsrunden mit den Angehörigen, aufbauende Gespräche oder mit den IKP-Kids für Patienten zu singen, soll den Kranken und ihren Angehörigen Kraft geben. Aber auch die Hilfe beim Organisieren von Beerdigungen gehört zum Dienst von IKP.

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